Sonntag, 7. Oktober 2018

Die Glücklichmacherei On Tour 〖Roadtrip durch Bella Italia, Teil 2: Neapel bis Apulien〗


wie schon in teil 1 meines reiseberichts erzählt, hatten wir uns im sommer einiges vorgenommen. ungefähr 3000 kilometer sind wir quer durch italien gefahren und 4 wochen haben wir uns dafür zeit genommen. falls du dir jetzt denkst, dass das erstens ziemlich weit und zweitens ziemlich stressig klingt, muss ich dir sagen, dass du falsch liegst. jedenfalls für unsere verhältnisse. letztes jahr sind wir doppelt so weit gefahren in der gleichen zeit. aber das ist natürlich reisetyp-sache. der mann und ich wollen immer gern so viel wie möglich sehen und sind nicht so die strandmenschen. mehr als eine woche badeurlaub am stück ist nicht tolerabel. es gibt zu viel zu entdecken auf so einer reise. allerdings genießen wir die flexibilität, die unser wohnmobil und campen ganz allgemein mit sich bringen. wir bleiben wo es uns gefällt und fahren weiter, wenn es uns reicht.
alles über teil 1 unserer reise (Sardinien bis Rom) kannst du hier nachlesen: klick!

von Rom fuhren wir nach Neapel. leider nicht über die Amalfitana, was daran lag, dass unser wohnmobil einfach zu groß ist und wir dort deshalb nicht fahren durften. natürlich hätten wir die vespa dabei gehabt und was gäbe es eigentlich cooleres, als mit der vespa die amalfiküste entlang zu brausen? genau. das wäre der absolute wahnsinn. allerdings gibts da ein kleines problem: die vespa ist alt. genauer gesagt ein oldtimer und deshalb alles andere als bequem oder wahnsinnig flott. dafür aber superstylish und mir hat nicht nur ein italienischer kenner einige euros dafür geboten. einer wollte sogar einen restaurierten mini dafür eintauschen. also - die vespa ist cool und praktisch, aber zu zweit für weitere strecken nicht bequem. die amalfiküste sparen wir uns deshalb für ein anderes mal und ohne wohnmobil auf.
weil es in Neapel keinen campingplatz gibt und wir ohnehin die ausgrabungen von Pompeji besichtigen wollten, haben wir das wohnmobil dort geparkt. für die antike stadt kann man unendlich viel zeit einplanen, je nachdem wie groß das interesse für archäologie ist. wir haben einen nachmittag dort verbracht, den ich spannend und beeindruckend fand.


Neapel hatten wir schon lange auf unserer travel bucket list. man hört so einiges über die stadt und meistens nichts gutes. probleme mit der müllentsorgung und stories über die mafia zum beispiel. Neapel sei dreckig, gefährlich, arm und hässlich. manches davon kann ich bestätigen, das allermeiste allerdings überhaupt nicht. nie haben wir uns unsicher gefühlt (sicher, taschendiebe gibt es, aber ganz sicher nicht nur in Neapel), müll haben wir auch keinen gesehen (außer in mülltonnen) und hässlich fanden wir die stadt auch nicht. im gegenteil - Neapel ist auf alle fälle einen besuch wert. eine querstraße von der hauptstraße entfernt wirkte die stadt auf mich wie ein sehr traditionelles altes italienisches dorf mit fast einer million einwohner. die nonnas hängen ihre wäsche quer über die gassen auf, autos haben kaum platz, kartoffeln werden vor dem hauseingang geschält und das wasser vom wäsche waschen wird schon mal vom balkon herunter geschüttet.  klar - die stadt wirkt etwas abgeranzt, aber Neapel hat charme.


Tipps für Neapel

  • Campingplatz hat die Stadt keinen. Deshalb haben wir in Pompeji residiert. Camping Zeus ist ideal gelegen, direkt neben dem Bahnhof und neben den Ausgrabungsstätten. Mit dem Zug kann man unkompliziert in knapp 40 Minuten nach Neapel fahren.
  • Trattoria Don Vincenzo: traditionelle köstliche Küche. Trotz anders beschriebener Öffnungszeiten wurden Leute ab 15 Uhr weggeschickt, weil die Küche zusperrte. Wenn du vorher da bist, unbedingt Gnocchi alla Sorrentina und Alici fritte probieren. Köstlich!
  • Süßes Gebäck: Unbedingt Babà rum probieren! Das ist kurz gesagt ein picksüßes Hefeteig-Gebäck das in Rum getränkt wird und welches ganz typisch in Neapel gegessen wird. Wenn du das nicht magst, nimm Sfogliatella. Beides am besten beim Kiosk am Ausgang der Galleria Umberto I Richtung Via Toledo probieren.
  • Sightseeing: Neapels Altstadt, das Centro Storico sollest du nicht verpassen. Die engen Gassen, die kuriose Via San Gregorio Armeno (Straße der Krippenbauer), viele kleinere und größere Kirchen - das alles erkundest du am besten zu Fuß. Außerdem sehenswert ist die U-Bahn Station Toledo. Sie ist eine der schönsten der Welt und mehrfach preisgekrönt. Pompeji und der Vesuv sind natürlich auch sehenswert.
  • Neapolitan Pizza Maker For One Day - wenn du in einem hands-on Kochkurs alles über die "vera pizza", also die echte, ehrliche Pizza aus Neapel lernen möchtest, bist du hier genau richtig. Wir hatten Spaß, aßen köstliche Pizza und zudem haben wir sehr viel gelernt. Inklusive dem besten Rezept für Pizzateig, den man 16 Stunden reifen lassen muss.


nach den tagen in Pompeji und Neapel zog es uns wieder an die küste. unser nächstes größeres ziel war Apulien, bzw. die küste dort. auf dem weg dahin haben wir 2 stops eingelegt, die schöner nicht hätten sein können und die uns wegen ihrer aufregenden architektur interessiert haben. zuerst haben wir in Matera halt gemacht. in den höhlensiedlungen "Sassi di Matera" haben menschen bis in die 1960er jahre gelebt. jetzt sind viele der Sassi zu besichtigen. in einem tag schaffst du es locker zu fuß die stadt und die Sassi zu erkunden. wir hatten nur einen halben tag und der hat uns auch noch für einen cocktail in der einkaufsstraße von Matera gereicht. 


nach einem halben tag und einer nacht ging es nur wenig weiter nach Alberobello. dort haben wir uns natürlich für die Trulli (Kegelbauten) interessiert. die stadt zählt zum UNESCO_Weltkulturerbe und ist ganz bezaubernd. auch hier war es ein kleines bisschen schwierig, dass wir mit dem wohnmobil unterwegs waren. Alberobello zeichnet sich nämlich nicht nur durch die Trulli, sondern auch durch unzählige einbahnen und fahrverbote für größere fahrzeuge aus. wir fanden dann aber einen tagesparkplatz und haben den vormittag in der stadt verbracht.


von Alberobello fuhren wir knapp 150 kilometer weiter nach Torre Sant' Andrea, einem nest fast ganz unten am stiefelabsatz und somit mitten im Salento, wie die halbinsel heißt. der ort hat neben wunderschön-bizarren felsformationen am strand wirklich nichts zu bieten. aber wir haben uns dort eine kleine auszeit von den städten genommen und 2 tage am strand verbracht.


neben dem türmen von Torre Sant' Andrea ist die Grotta della Poesia sehr besonders. auch besonders voll. und was du auf dem bild nicht siehst - dieses "loch" liegt direkt an der straße, ganz unromantisch. das ist auch der grund dafür, warum da so viele leute sind. es ist kein ort an dem man einen ganzen tag am strand verbringen will, finde ich. abgesehen davon, dass es keinen klassischen strand, sondern nur felsküste gibt. wir haben auch nur einen kurzen ausflug mit der vespa unternommen, der mann ist waghalsig in die Grotta gesprungen, ich habe ungefähr 250 fotos gemacht und wir sind weiter gedüst. es gab übrigens auch kein geschäft im umkreis. allerdings kamen der bäcker und der gemüsehändler quasi direkt vors wohnmobil. unser "campingplatz" bestand aus etwa 30 abstellplätzen und einem häuschen mit je 2 duschen und toiletten. 2 minuten duschen kostete 1 euro und war stressig. ich habe nämlich ziemlich lange haare...
der gemüsehändler hatte getrockneten oregano dabei, der für die region Salento ganz typisch ist. ich hab mir einen bund gekauft und finde der ist unglaublich aromatisch. ich verwende ihn jetzt daheim ganz sparsam, obwohl ich 2 große gläser voll habe. dieser oregano hat basilikum als mein lieblingskraut zu tomaten eindeutig abgelöst. ganz einfache bruschette mit etwas knoblauch eingerieben und gewürfelten tomaten drauf, eine prise salz und etwas oregano - fertig. das schmeckt nach sommer und urlaub, sag ich dir.
obwohl wir im urlaub meistens essen gehen, genießen wir es aber auch zum beispiel am markt regionale spezialitäten einzukaufen und gemeinsam zu jausnen.


unser nächster halt war Lecce. wir hatten sehr viel über die stadt gelesen und waren voller vorfreude. es gab wieder keinen campingplatz, allerdings einen "abstellplatz" für wohnmobile bei einem sehr freundlichen herrn hinter seiner autowerkstatt. sehr kurios. auch, weil wir die einzigen gäste waren, mitten im nirgendwo etwas außerhalb der stadt. nach einem aufklärungsgespräch über den wert meiner vespa (das war der typ, der mir seinen mini im tausch angeboten hat) und die damit verbundene gefahr des diebstahls, haben wir sein angebot angenommen und fuhren mit ihm in die stadt. für ein paar euro hat er uns dann am abend auch wieder abgeholt - sehr freundlich und ganz unkompliziert.


Lecce hat uns nicht enttäuscht. das einzige "problemchen" war, dass die allermeisten geschäfte und restaurants erst abends aufgesperrt hätten. der stadtbummel fiel also ziemlich kurz aus...
zum glück hatte wenigstens eines der restaurants auf unserer "to do liste" geöffnet. dort kochte Nonna Rosalba cucina tipica pugliese - also typisch apulische Küche.


Tipps für Apulien und Lecce:

  • Camping in Torre Sant'Andrea: Camper The Stacks
  • Strände: Der felsige Strandabschnitt mit den Türmen, die dem Ort Torre Sant' Andrea seinen Namen verleihen, ist wirklich atemberaubend schön. Dasselbe gilt für die Grotta della Poesia. Hier baden hauptsächlich Einheimische, und wenn, dann eher italienische Touristen. Viele Leute, keine Liegewiesen weil meist steile Felsküste und mancherorts leider ungepflegte Landschaft. Insgesamt trotzdem wunderschön.
  • Camping in Lecce: Die Stadt hat keinen richtigen Campingplatz, aber der Abstellplatz in Lequile (7km bis Lecce) für Wohnmobile war ideal. Dusche und WC inklusive, Shuttleservice in die Stadt für wenig Geld. 
  • Essen und Trinken: Unbedingt probieren solltest du einen Caffè leccese. Das ist ein Espresso auf Eis mit Mandelsirup und der ist, wie der Name schon sagt, typisch für die Region bzw. die Stadt. Dazu isst man am besten ein Pasticciotto. Im Restaurant Alle due Corti haben wir vorzügliche regionale Spezialitäten genossen.


weiter gings dann übrigens nach Kalabrien und auf Sizilien. mehr dazu kannst du im dritten und letzten teil meines reiseberichts nachlesen. stay tuned!

Kommentare:

  1. Wow, die ganz große Italienreise - von der träume ich immer noch! Eine schöne Inspiration, vor allem das Essen!
    Ciao
    Sonja

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    1. danke, sonja! in dem fall drück ich dir die daumen, dass es ganz bald klappt!

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